Wer ist Friedemann Schulz von Thun?

Friedemann Schulz von Thun ist ein deutscher Psychologe und Kommunikationswissenschaftler, geboren 1944. Er war Professor für Psychologie an der Universität Hamburg und zählt zu den prägenden Vertretern der Kommunikationspsychologie im deutschsprachigen Raum.

Zentral für sein Werk ist das sogenannte Vier-Seiten-Modell (Kommunikationsquadrat), das er in den 1970er Jahren entwickelte. Dieses Modell beschreibt, dass jede Äußerung gleichzeitig vier Aspekte enthält:

  • den Sachinhalt (Informationsebene),
  • die Selbstoffenbarung (Hinweise auf Einstellungen, Gefühle oder Motive des Senders),
  • die Beziehungsebene (Aussagen über das Verhältnis zwischen Sender und Empfänger),
  • sowie den Appell (beabsichtigte Wirkung auf den Empfänger).

Analog dazu wird angenommen, dass Empfänger Nachrichten auf diesen vier Ebenen interpretieren können („vier Ohren“), was unterschiedliche Deutungen und potenzielle Missverständnisse erklärt.

Zu seinen weiteren theoretischen Beiträgen gehören unter anderem:

  • das Modell des „Inneren Teams“, das die gleichzeitige Wirksamkeit verschiedener innerer Anteile oder Handlungstendenzen beschreibt,
  • sowie das Werte- und Entwicklungsquadrat, das die Notwendigkeit eines Gleichgewichts zwischen komplementären Werten betont.

Schulz von Thun wurde unter anderem von Ansätzen aus der Sprach- und Kommunikationspsychologie beeinflusst, etwa von Karl Bühler, Paul Watzlawick und Ruth Cohn.

Seine Buchreihe „Miteinander reden“ gilt als Standardwerk der Kommunikationspsychologie und findet breite Anwendung in Ausbildung, Beratung, Therapie sowie im Organisationskontext. Insbesondere in der Verhaltenstherapie wird sein Ansatz zur Analyse von Interaktionsmustern und zur Gestaltung professioneller Gesprächsführung genutzt.

Werner Eberwein