Was sind Albträume?
Albträume sind Ausdruck unbewusster innerer Konflikte, die im Schlaf an die Oberfläche drängen. Sie sind oft von intensiven Gefühlen wie Angst, Ekel und Schmerz, Hilflosigkeit, oder Panik begleitet und fühlen sich oft sehr real an.
Betroffene erleben dabei nicht selten starke Verwirrung oder das Gefühl, den Verstand zu verlieren. Albträume werden als unerträglich und quälend empfunden, man wacht abrupt auf, weil sie emotionale Zustände hervorrufen, die im Wachzustand kaum auszuhalten wären.
Psychologisch betrachtet sind Albträume Ausdruck innerer Konflikte, belastender Erfahrungen oder unverarbeiteter Emotionen. Das Gehirn versucht im Traum, stressvolle oder bedrohliche Erlebnisse zu verarbeiten. Typisch für Albträume ist, dass sie mit einem starken Gefühl von Kontrollverlust verbunden sind. Die betroffene Person kann im Traum oft nicht fliehen, nicht sprechen oder sich nicht bewegen.
Beispiel für einen Albtraum
Eine Mitte-50-jährige Frau, die einen erwachsenen Sohn hat und in einem sozialen Beruf arbeitet, träumt immer wieder einen ähnlichen Albtraum:
„Ich befinde mich in einem Raum ohne Fenster. Die Tür ist geschlossen, doch sie weiß nicht, wie ich überhaupt dorthin gekommen bin. Ein Mann steht mir gegenüber, jedoch ohne erkennbares Gesicht – nur eine dunkle Silhouette ist zu sehen. Diese Gestalt kommt näher, und obwohl ich „Stopp“ sagen möchte, versagt meine Stimme. Mein Körper fühlt sich schwer an, fast so, als würde er nicht mehr zu mir gehören. Jede Bewegung scheint unmöglich, als wäre ich wie eingefroren. Der Mann will mich berühren, es entstehen intensive Gefühle von Angst und Ekel. Gleichzeitig entsteht der Eindruck, dass niemand helfen kann, egal wie sehr ich innerlich schreie. Kurz bevor etwas Bedrohliches passiert, wache ich auf – mit Herzrasen, Zittern und dem Gefühl, erneut einer Situation von Ausgeliefertsein begegnet zu sein.“
Wie kann man mit solchen Albträumen arbeiten?
In der therapeutischen Arbeit würde man sich mit großer Vorsicht und in einem sicheren Rahmen langsam an die Angst herantasten. In der Angst verbirgt sich meist eine Situation, oder mehrere Situationen, die für die betroffene Person unerträglich gewesen sind. Dieser Prozess kann viel Zeit in Anspruch nehmen und erfordert Geduld.
Oft tauchen im Verlauf immer wieder neue Albträume auf, die unterschiedliche Aspekte desselben inneren Konflikts widerspiegeln. Wenn allmählich klar wird, welche Erfahrungen oder Erlebnisse die Albträume ausgelöst haben, können diese verarbeitet werden. Mit zunehmender Verarbeitung verlieren die Albträume meist an Intensität oder hören schließlich ganz auf.
Werner Eberwein
