Was ist Rechtsextremismus?
Rechtsextremismus bezeichnet politische Einstellungen und Bestrebungen, die die Gleichwertigkeit aller Menschen ablehnen und sich gegen grundlegende Prinzipien demokratischer Gesellschaften richten.
Charakteristisch sind nationalistische, autoritäre und ausgrenzende Ideologien sowie die Ablehnung pluralistischer und liberal-demokratischer Werte.
Zentrale Merkmale
Rechtsextreme Ideologien beruhen häufig auf der Vorstellung, dass Menschen oder Gruppen aufgrund ihrer Herkunft, Ethnie, Religion oder Kultur unterschiedlich wertvoll seien. Daraus ergeben sich verschiedene zentrale Elemente:
- Nationalismus und Ethnopluralismus: Die eigene Nation oder ethnische Gruppe wird als vorrangig betrachtet. Teilweise wird gefordert, unterschiedliche Kulturen oder „Völker“ strikt voneinander zu trennen.
- Ungleichwertigkeitsvorstellungen: Die universelle Gleichheit und Menschenwürde aller Menschen werden infrage gestellt.
- Rassismus und Antisemitismus: Menschen werden aufgrund äußerer Merkmale, Herkunft oder Religion abgewertet oder diskriminiert.
- Autoritäres Denken: Demokratische Entscheidungsprozesse und Gewaltenteilung werden häufig abgelehnt; stattdessen werden autoritäre Führungsstrukturen bevorzugt.
Erscheinungsformen
Rechtsextremismus kann sich in unterschiedlichen Formen zeigen:
- als individuelle Einstellung oder Weltanschauung,
- in organisierten Gruppen, Parteien oder Netzwerken,
- durch Propaganda, Hassrede oder Verschwörungserzählungen,
- sowie in Form politisch motivierter Gewalt bis hin zu terroristischen Anschlägen.
Verhältnis zur Demokratie
Rechtsextremismus richtet sich gegen grundlegende Prinzipien demokratischer Ordnungen, insbesondere gegen Menschenrechte, Pluralismus und die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz. In Deutschland wird Rechtsextremismus deshalb als gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichtet eingeordnet.
Abgrenzung zum Rechtspopulismus
Rechtspopulismus und Rechtsextremismus sind nicht identisch, können jedoch Überschneidungen aufweisen. Rechtspopulistische Positionen richten sich häufig gegen politische Eliten oder Institutionen, ohne zwangsläufig demokratische Grundprinzipien abzulehnen. Rechtsextremismus geht darüber hinaus, indem er die Gleichwertigkeit aller Menschen und zentrale demokratische Werte grundsätzlich infrage stellt.
Wissenschaftliche Perspektive
In der sozialwissenschaftlichen Forschung wird Rechtsextremismus häufig im Zusammenhang mit dem Konzept der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit untersucht. Dieses beschreibt abwertende Einstellungen gegenüber bestimmten gesellschaftlichen Gruppen, etwa aufgrund von Herkunft, Religion, Geschlecht oder sozialem Status. Forschende wie Wilhelm Heitmeyer und Beate Küpper haben dieses Konzept maßgeblich geprägt. Rechtsextremismus gilt zudem als wandelbares Phänomen, das sich gesellschaftlichen Entwicklungen und aktuellen Krisen anpassen kann, um politische Unterstützung zu gewinnen.
Werner Eberwein
