Was ist Gaslighting?
Gaslighting bezeichnet in der Psychologie eine Form der gezielten Beeinflussung, bei der eine Person systematisch dazu gebracht wird, die eigene Wahrnehmung, Erinnerung und Urteilsfähigkeit infrage zu stellen.
Der Begriff geht auf das Theaterstück Gas Light (1938) von Patrick Hamilton zurück, in dem durch subtile Manipulationen der Eindruck einer eingeschränkten Realitätswahrnehmung erzeugt wird.
Auf psychologischer Ebene beruht Gaslighting auf mehreren Mechanismen. Dazu gehören das konsequente Leugnen von Ereignissen, die Umdeutung von Situationen sowie die Abwertung von Gefühlen und Wahrnehmungen der betroffenen Person. Ergänzend kann eine soziale Isolierung erfolgen, indem externe Bezugspersonen als unglaubwürdig dargestellt werden. Teilweise wird das Verhalten durch wechselnde Phasen von Bestätigung und Zuwendung stabilisiert, was die Bindung an die manipulierende Person verstärken kann.
Die Auswirkungen bestehen häufig in einer fortschreitenden Verunsicherung der eigenen Wahrnehmung. Betroffene verlieren zunehmend das Vertrauen in ihre kognitiven und emotionalen Einschätzungen. Typische Folgen sind anhaltende Selbstzweifel, eingeschränkte Entscheidungsfähigkeit sowie erhöhte psychische Belastung, die sich unter anderem in Angst, depressiven Symptomen oder Rückzug äußern kann.
Für die Einordnung ist die Unterscheidung zwischen bewusst eingesetztem Gaslighting und Verhaltensweisen ohne klare Manipulationsabsicht relevant. Während in einigen Fällen eine gezielte Kontrolle im Vordergrund steht, können ähnliche Dynamiken auch durch unbewusste Abwehrmechanismen oder verzerrte Selbstwahrnehmung entstehen. Diese Differenzierung ist insbesondere im klinischen Kontext bedeutsam, da sie Einfluss auf die Analyse der Beziehungsmuster und mögliche Interventionsansätze hat.
Werner Eberwein
