Was ist ein Hörsturz?


Ein Hörsturz, medizinisch als akuter idiopathischer sensorineuraler Hörverlust bezeichnet, ist eine plötzlich auftretende Hörminderung oder ein Hörverlust, der meist nur ein Ohr betrifft und ohne unmittelbar erkennbare äußere Ursache auftritt.

Die Beschwerden entwickeln sich häufig innerhalb weniger Minuten oder Stunden, teilweise auch über Nacht.

Der Hörsturz entsteht im Innenohr, insbesondere in der Hörschnecke (Cochlea). Dort wandeln spezialisierte Haarzellen Schallwellen in elektrische Signale um, die über den Hörnerv an das Gehirn weitergeleitet werden. Bei einem Hörsturz kommt es zu einer akuten Funktionsstörung dieser Strukturen, wodurch die Schallverarbeitung beeinträchtigt wird.

Typische Beschwerden sind:
– Plötzliche Hörminderung oder vollständiger Hörverlust auf einem Ohr
– Druck- oder Völlegefühl im betroffenen Ohr
– Ohrgeräusche (Tinnitus)
– Verzerrtes Hören oder veränderte Klangwahrnehmung
– Gelegentlich Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen

Die Ausprägung der Symptome kann von einer leichten Hörminderung bis zu einer nahezu vollständigen Taubheit auf einem Ohr reichen.

Die genaue Ursache eines Hörsturzes bleibt häufig unklar. Diskutiert werden verschiedene mögliche Mechanismen, darunter:
– Durchblutungsstörungen im Innenohr
– Entzündliche Prozesse oder virale Infektionen
– Autoimmunreaktionen
– Stoffwechsel- oder Gefäßveränderungen
– Psychische Belastungen und Stress als mögliche begünstigende Faktoren
Für keine dieser Ursachen kann jedoch in den meisten Fällen ein eindeutiger Nachweis erbracht werden.

Bei einem plötzlichen Hörverlust sollte zeitnah eine Untersuchung durch eine HNO-Ärztin oder einen HNO-Arzt erfolgen. Ziel ist es, andere Ursachen der Hörminderung auszuschließen, beispielsweise:
– Ohrenschmalzpfropf
– Mittelohrentzündung
– Verletzungen des Ohres
– Erkrankungen des Hörnervs oder zentralen Nervensystems
Zur Diagnostik gehören in der Regel eine HNO-Untersuchung sowie verschiedene Hörtests.

Die Behandlung richtet sich nach dem individuellen Befund. Häufig wird eine Kortikosteroid-Therapie (Kortison) eingesetzt, entweder in Tablettenform, als Infusion oder durch Injektionen in das Mittelohr. Ziel ist es, entzündliche Prozesse zu reduzieren und die Erholung der Hörfunktion zu unterstützen.

Die Prognose ist insgesamt günstig. Bei vielen Betroffenen kommt es innerhalb von Tagen oder Wochen zu einer teilweisen oder vollständigen Erholung des Hörvermögens. Das Ausmaß der Rückbildung ist jedoch individuell unterschiedlich.
Bedeutung für die medizinische Versorgung

Ein Hörsturz stellt in der Regel keinen lebensbedrohlichen Notfall dar, sollte jedoch als medizinischer Eilfall betrachtet werden. Eine zeitnahe fachärztliche Abklärung – möglichst innerhalb von 24 bis 48 Stunden – wird empfohlen, um die Diagnose zu sichern, andere Ursachen auszuschließen und gegebenenfalls frühzeitig eine Behandlung einzuleiten.

Werner Eberwein