Was ist die Metakognitive Therapie (MKT)?

Die Metakognitive Therapie (MKT) ist ein wissenschaftlich fundiertes psychotherapeutisches Verfahren, das in den 1990er Jahren von dem britischen Psychologen Adrian Wells entwickelt wurde. Als Teil der „Dritten Welle“ der Verhaltenstherapie unterscheidet sie sich grundlegend von klassischen Ansätzen durch ihren Fokus auf Denkprozesse statt auf Denkinhalte.

Theoretische Grundlagen und Kernkonzepte

Das fundamentale Prinzip der MKT besagt, dass psychische Störungen nicht primär durch den Inhalt negativer Gedanken verursacht werden, sondern durch die Art und Weise, wie Individuen auf diese Gedanken reagieren und sie bewerten (Metakognition).

Das Kognitive Aufmerksamkeitssyndrom (CAS)

Zentrales Element der Pathogenese ist das CAS, ein dysfunktionales Reaktionsmuster auf interne Ereignisse (Gedanken, Gefühle, Impulse). Es setzt sich aus drei Komponenten zusammen:

1. Persistierendes repetitives Denken: Ausgeprägtes Grübeln (Rumination) über die Vergangenheit oder exzessives Sorgen über die Zukunft.

2. Bedrohungsmonitoring: Eine fixierte Aufmerksamkeit auf potenzielle Gefahrenquellen oder körperliche Symptome.

3. Dysfunktionale Bewältigungsstrategien: Versuche der Gedankenunterdrückung, Vermeidung oder maladaptiver Selbstmedikation.

Metakognitive Überzeugungen

Das CAS wird durch metakognitive Überzeugungen gesteuert, die in zwei Kategorien unterteilt werden:

Positive Metakognitionen: Der Glaube an den Nutzen von Sorgen oder Grübeln (z. B. zur Problemlösung oder Vorbereitung).

Negative Metakognitionen: Annahmen über die Unkontrollierbarkeit, Bedeutung oder Gefährlichkeit der eigenen Gedanken.

Methodik und therapeutisches Vorgehen

Im Gegensatz zur kognitiven Verhaltenstherapie (KVT), welche die Validität von Gedanken prüft („Ist das wahr?“), zielt die MKT auf die Modifikation des Denkprozesses ab („Ist dieser Prozess hilfreich?“).

Wichtige Interventionstechniken:

Detached Mindfulness (Distanzierte Achtsamkeit): Der Patient lernt, Gedanken als rein mentale Ereignisse wahrzunehmen, ohne aktiv auf sie zu reagieren oder sie zu bewerten.

Attention Training Technique (ATT): Ein auditives Training zur Steigerung der kognitiven Flexibilität und zur Unterbrechung der fixierten Aufmerksamkeit.

Worry Postponement (Sorgenaufschub): Die bewusste Entscheidung, Sorgenprozesse auf ein definiertes Zeitfenster zu begrenzen, um die wahrgenommene Kontrolle über das Denken zu stärken.

Metakognitive Umstrukturierung: Die direkte verbale und behaviorale Überprüfung und Korrektur metakognitiver Überzeugungen.

Klinische Indikationen

Die Wirksamkeit der Metakognitiven Therapie ist durch zahlreiche klinische Studien belegt. Sie findet insbesondere Anwendung bei:

• Generalisierter Angststörung (GAS)

• Depressiven Störungen

• Zwangsstörungen

• Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS)

• Sozialen Phobien

Werner Eberwein