Was ist die Histrionische Persönlichkeitsstörung?

Die Histrionische Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.4) ist eine Persönlichkeitsstörung, die durch ein anhaltendes Muster ausgeprägter Emotionalität und ein starkes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit gekennzeichnet ist.

Kernsymptome

Typischerweise zeigen sich mehrere der folgenden Merkmale:

  • Deutliches Unbehagen, wenn keine Aufmerksamkeit besteht,
  • Theatralischer, übersteigerter Ausdruck von Gefühlen,
  • Erhöhte Beeinflussbarkeit durch andere Personen oder Situationen,
  • Rasch wechselnde, eher oberflächliche Emotionen,
  • Ausgeprägte Orientierung am äußeren Erscheinungsbild zur Erlangung von Aufmerksamkeit,
  • Tendenz, soziale Beziehungen als enger einzuschätzen, als sie tatsächlich sind,
  • Situativ unangemessen verführerisches oder provokatives Verhalten.

Abgrenzung und Komorbidität

Es bestehen häufig Überschneidungen mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung (z. B. emotionale Instabilität, Impulsivität) sowie mit der Narzisstische Persönlichkeitsstörung (Bedürfnis nach Aufmerksamkeit). Im Unterschied zur narzisstischen Ausprägung steht jedoch weniger ein Gefühl von Überlegenheit im Vordergrund, sondern vielmehr eine ausgeprägte emotionale Expressivität und Anpassung an soziale Kontexte.

Therapie

Die Behandlung erfolgt primär psychotherapeutisch. Zum Einsatz kommen unter anderem:

  • Psychodynamische Verfahren zur Bearbeitung früher Beziehungsmuster,
  • Schematherapie zur Identifikation und Veränderung maladaptiver Muster,
  • Verhaltenstherapie mit Fokus auf Emotionsregulation, Selbstwahrnehmung und soziale Interaktion,
  • Körperorientierte Ansätze bei relevanter Einbindung des Körperselbstbildes.

Ein zentraler Wirkfaktor ist die therapeutische Beziehung. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Patientinnen und Patienten dazu neigen können, diese Beziehung zu idealisieren oder zu dramatisieren, was im therapeutischen Prozess gezielt reflektiert und genutzt wird.

Werner Eberwein