Was ist Cybermobbing?
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Das Internet verbindet Menschen miteinander. Wir können Nachrichten austauschen, Freundschaften pflegen, unsere Meinungen äußern und mit Menschen auf der ganzen Welt kommunizieren. Doch die digitalen Möglichkeiten haben auch eine Schattenseite:
Das Internet kann zu einem Ort werden, an dem Menschen systematisch beleidigt, gedemütigt, bedroht oder sozial ausgegrenzt werden. Dieses Phänomen nennt man Cybermobbing, auch Cyberbullying genannt. Cybermobbing bezeichnet die absichtliche Schädigung, Belästigung, Einschüchterung oder Bloßstellung eines Menschen mithilfe digitaler Medien. Das geschieht beispielsweise über WhatsApp, Instagram, TikTok, Facebook, E-Mails, Online-Spiele oder öffentliche Internetforen.
Häufig wiederholen sich solche Angriffe über einen längeren Zeitraum. Manchmal reicht jedoch bereits eine einzige Veröffentlichung aus, um eine anhaltende Schädigung auszulösen. Ein kompromittierendes Foto beispielsweise kann innerhalb weniger Stunden von Tausenden Menschen gesehen, kommentiert und weiterverbreitet werden. Cybermobbing ist keineswegs nur ein Problem von Kindern und Jugendlichen. Auch Erwachsene können betroffen sein, beispielsweise am Arbeitsplatz, in Partnerschaften, nach Trennungen oder im Zusammenhang mit öffentlichen Auseinandersetzungen.
Aus psychologischer Sicht handelt es sich um eine Form sozialer und psychischer Gewalt, die das Selbstwertgefühl, das Sicherheitsgefühl und das Vertrauen in andere Menschen erheblich beeinträchtigen kann.
Beleidigungen und Hasskommentare
Menschen werden durch verletzende Nachrichten, Beschimpfungen, herabwürdigende Kommentare oder aggressive Botschaften angegriffen. Oft richten sich solche Angriffe gegen das Aussehen, die Persönlichkeit, die Herkunft, das Geschlecht oder andere persönliche Eigenschaften.
Verbreitung von Gerüchten und Lügen
Über eine Person werden bewusst falsche Behauptungen verbreitet, um ihren Ruf zu beschädigen. Besonders belastend wird dies, wenn Freunde, Kollegen oder andere Menschen diese Behauptungen ungeprüft übernehmen.
Öffentliche Bloßstellung
Private Fotos, persönliche Nachrichten, intime Informationen oder peinliche Videos werden ohne Zustimmung veröffentlicht. Manchmal werden Bilder manipuliert, um die betroffene Person lächerlich zu machen.
Soziale Ausgrenzung
Menschen werden gezielt aus digitalen Gruppen ausgeschlossen, ignoriert oder innerhalb einer Gemeinschaft öffentlich abgewertet. Besonders für Jugendliche, deren soziale Beziehungen häufig über digitale Medien organisiert werden, kann dies sehr schmerzhaft sein.
Identitätsmissbrauch
Es werden gefälschte Profile unter dem Namen einer anderen Person eingerichtet oder fremde Benutzerkonten missbraucht. Anschließend werden beispielsweise beleidigende Nachrichten veröffentlicht, um die betroffene Person in Schwierigkeiten zu bringen.
Cyberstalking
Eine Person wird wiederholt über digitale Medien verfolgt, überwacht, kontaktiert oder bedroht. Dies kann erhebliche Angst auslösen und das Gefühl erzeugen, nirgendwo mehr sicher zu sein.
Doxing
Private Informationen wie Telefonnummern, Wohnadressen oder persönliche Kontaktdaten werden ohne Einwilligung veröffentlicht, häufig mit der Absicht, die betroffene Person einzuschüchtern oder weiteren Angriffen auszusetzen.
Allen diesen Formen gemeinsam ist, dass digitale Kommunikationsmittel benutzt werden, um andere Menschen gezielt zu verletzen, zu kontrollieren oder sozial herabzusetzen.
Was unterscheidet Cybermobbing vom klassischen Mobbing?
Mobbing gibt es schon lange. Menschen werden beispielsweise in Schulen, Betrieben, Familien oder sozialen Gruppen wiederholt ausgegrenzt, gedemütigt oder schikaniert. Cybermobbing hat jedoch einige Besonderheiten, die seine psychischen Auswirkungen erheblich verstärken können. Es gibt kaum noch einen sicheren Rückzugsort
Früher endete das Mobbing in der Schule möglicherweise zumindest mit dem Unterrichtsschluss. Zu Hause konnten sich betroffene Kinder und Jugendliche vorübergehend erholen. Beim Cybermobbing können verletzende Nachrichten jederzeit eintreffen, auch nachts, am Wochenende oder im Urlaub. Das Smartphone wird dadurch möglicherweise zu einer ständigen Quelle von Anspannung und Angst.
Die Öffentlichkeit kann riesig sein
Eine beleidigende Bemerkung auf dem Schulhof hören vielleicht fünf Menschen. Ein verletzender Beitrag im Internet kann dagegen innerhalb kurzer Zeit Tausende erreichen. Die Betroffenen wissen häufig nicht, wer die Inhalte bereits gesehen, gespeichert oder weitergeleitet hat. Das kann intensive Gefühle von Scham, Hilflosigkeit und Kontrollverlust auslösen.
Die Täter können anonym bleiben
Manche Menschen nutzen falsche Namen oder anonyme Benutzerkonten, um andere anzugreifen. Für die Betroffenen entsteht dadurch eine zusätzliche Unsicherheit: Wer steckt hinter den Angriffen? Ein Fremder? Ein Kollege? Vielleicht sogar ein vermeintlicher Freund? Diese Ungewissheit kann das Misstrauen gegenüber anderen Menschen verstärken.
Digitale Verletzungen können dauerhaft bestehen bleiben
Ein verletzender Satz ist möglicherweise irgendwann vergessen. Ein im Internet veröffentlichtes Foto oder Video kann dagegen gespeichert, kopiert und immer wieder verbreitet werden. Selbst wenn der ursprüngliche Beitrag gelöscht wird, können Kopien weiterhin existieren. Die Betroffenen erleben dadurch manchmal, dass ihre Vergangenheit immer wieder gegen sie verwendet werden kann.
Cybermobbing kann erhebliche psychische, körperliche und soziale Folgen haben. Wie schwer diese ausfallen, hängt unter anderem von der Intensität und Dauer der Angriffe, der persönlichen Verletzlichkeit und der Unterstützung durch andere Menschen ab.
Angst und ständige innere Anspannung
Viele Betroffene entwickeln eine erhöhte Wachsamkeit. Sie kontrollieren immer wieder ihr Smartphone, beobachten soziale Netzwerke oder versuchen herauszufinden, ob erneut verletzende Inhalte veröffentlicht wurden. Andere vermeiden digitale Medien vollständig. Es kann ein Zustand entstehen, in dem das Nervensystem dauerhaft auf mögliche Bedrohungen eingestellt ist.
Scham und Selbstwertprobleme
Öffentliche Demütigungen können besonders tief verletzen. Die Betroffenen fragen sich möglicherweise:
- Was denken die anderen jetzt über mich?
- Bin ich wirklich so lächerlich, wie ich dargestellt werde?
- Warum werde ausgerechnet ich angegriffen?
Solche Gedanken können das Selbstwertgefühl erheblich beeinträchtigen. Besonders problematisch wird es, wenn Betroffene beginnen, die abwertenden Botschaften der Täter innerlich zu übernehmen. Aus einer äußeren Beschimpfung kann dann eine innere Selbstabwertung werden.
Sozialer Rückzug und Einsamkeit
Manche Betroffene ziehen sich zunehmend zurück. Sie meiden Freundschaften, Schulveranstaltungen, Arbeitskollegen oder soziale Kontakte. Hinter diesem Rückzug steht häufig der Versuch, weitere Verletzungen zu verhindern. Paradoxerweise kann dadurch gerade die soziale Unterstützung verloren gehen, die für die Bewältigung besonders wichtig wäre.
Depressionen und Hoffnungslosigkeit
Länger andauerndes Cybermobbing kann mit depressiven Symptomen einhergehen. Dazu gehören Niedergeschlagenheit, Interessenverlust, Antriebslosigkeit, Selbstzweifel und Gefühle von Wertlosigkeit. Bei schweren Verläufen können auch Selbstverletzungen oder Suizidgedanken auftreten. Forschungsergebnisse zeigen einen Zusammenhang zwischen Cybermobbing und solchen psychischen Belastungen. Allerdings führt nicht jedes Cybermobbing zu einer psychischen Erkrankung, und die individuelle Entwicklung wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst.
Körperliche Beschwerden
Psychischer Stress kann sich auch körperlich bemerkbar machen. Mögliche Beschwerden sind Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Muskelverspannungen, Appetitveränderungen oder anhaltende Erschöpfung. Solche Beschwerden sind nicht eingebildet. Sie können Ausdruck einer tatsächlichen körperlichen Stressreaktion sein.
Warum verhalten sich manche Menschen im Internet besonders grausam?
Eine wichtige psychologische Erklärung ist der sogenannte Online-Enthemmungseffekt. Damit ist gemeint, dass Menschen im Internet manchmal Dinge sagen oder tun, die sie einem anderen Menschen im direkten Kontakt nicht zumuten würden. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe.
Fehlender unmittelbarer Kontakt
Wer einen anderen Menschen beleidigt, sieht im Internet häufig nicht dessen Gesichtsausdruck, Tränen oder Verletztheit. Die unmittelbaren emotionalen Rückmeldungen fehlen. Dadurch können empathische Reaktionen abgeschwächt werden.
Anonymität und Distanz
Wer sich hinter einem anonymen Profil versteckt, fühlt sich möglicherweise weniger verantwortlich für seine Äußerungen. Die digitale Distanz kann das Gefühl verstärken, dass das eigene Verhalten keine unmittelbaren Konsequenzen hat.
Gruppendruck und soziale Anerkennung
Manche Menschen beteiligen sich an Cybermobbing, weil andere bereits damit begonnen haben. Beleidigende Kommentare werden mit Likes belohnt, spöttische Beiträge weiterverbreitet und aggressive Botschaften durch Zustimmung verstärkt. So kann eine Dynamik entstehen, in der die Beteiligten immer weiter gehen, um Aufmerksamkeit oder Anerkennung zu bekommen.
Macht und Kontrolle
Cybermobbing kann auch dem Versuch dienen, Macht über einen anderen Menschen auszuüben. Die betroffene Person soll eingeschüchtert, gedemütigt oder sozial isoliert werden. Aus psychotherapeutischer Sicht kann hinter aggressivem Verhalten unter anderem das Bedürfnis nach Anerkennung, Zugehörigkeit, Überlegenheit oder Kontrolle stehen.
Welche Rolle spielen Zuschauer?
Cybermobbing betrifft häufig nicht nur Täter und Opfer. Es gibt auch Menschen, die die Angriffe beobachten, Beiträge weiterleiten, beleidigende Kommentare mit Likes versehen oder schweigend zusehen.
In der Sozialpsychologie spricht man in diesem Zusammenhang unter anderem vom Zuschauereffekt. Wenn viele Menschen eine problematische Situation beobachten, kann das Verantwortungsgefühl des Einzelnen abnehmen. Jeder erwartet möglicherweise, dass jemand anderes eingreifen wird. Beim Cybermobbing kann das besonders folgenreich sein. Denn jeder weitergeleitete Beitrag und jeder zustimmende Kommentar kann die öffentliche Demütigung verstärken. Umgekehrt können Zuschauer eine wichtige schützende Rolle übernehmen. Sie können ihre Unterstützung ausdrücken, verletzende Inhalte melden, sich einer digitalen Hetzkampagne verweigern und der betroffenen Person signalisieren, dass sie nicht allein ist.
Cybermobbing aus Sicht der Gewaltfreien Kommunikation
Die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg unterscheidet zwischen Beobachtungen, Gefühlen, Bedürfnissen und Bitten. Sie geht davon aus, dass hinter menschlichen Handlungen und Äußerungen Bedürfnisse stehen, auch wenn diese auf eine verletzende oder destruktive Weise zum Ausdruck gebracht werden. Ein Mensch, der andere im Internet angreift, sucht möglicherweise Aufmerksamkeit, Zugehörigkeit, Anerkennung oder Einfluss. Allerdings rechtfertigt kein Bedürfnis die Verletzung der Würde eines anderen Menschen.
Die Gewaltfreie Kommunikation bedeutet deshalb keineswegs, aggressives Verhalten hinzunehmen oder auf notwendige Grenzen zu verzichten. Sie kann helfen, Konflikte so auszudrücken, dass andere Menschen nicht zusätzlich herabgewürdigt werden. Statt beispielsweise zu schreiben:
- „Du bist vollkommen dumm. Jeder sieht doch, dass du keine Ahnung hast“
könnte eine gewaltfreiere Formulierung lauten:
- „Wenn ich deine Aussagen lese, bin ich verärgert, weil mir sachliche und nachvollziehbare Argumente wichtig sind. Ich möchte gern verstehen, wie du zu deiner Einschätzung kommst.“
Hier wird Kritik formuliert, ohne die andere Person in ihrer Würde anzugreifen.
Bei systematischem Cybermobbing reichen solche Kommunikationsformen allein allerdings oft nicht aus. Dann sind klare Grenzen, Schutzmaßnahmen und gegebenenfalls rechtliche Schritte erforderlich.
Was können Betroffene gegen Cybermobbing tun?
Wer von Cybermobbing betroffen ist, sollte die Angriffe nicht einfach hinnehmen. Hilfreich können folgende Maßnahmen sein:
Beweise sichern
Beleidigende Nachrichten, Drohungen und problematische Veröffentlichungen sollten möglichst dokumentiert werden.
Screenshots sollten nach Möglichkeit Datum, Uhrzeit, Benutzernamen und die Internetadresse erkennen lassen.
Nicht auf jede Provokation eingehen
Aggressive Gegenreaktionen können manche Konflikte weiter verschärfen. Es ist deshalb häufig sinnvoll, sich nicht auf endlose digitale Auseinandersetzungen einzulassen. Das bedeutet jedoch nicht, auf eine klare Grenzsetzung verzichten zu müssen.
Täter blockieren und Inhalte melden
Soziale Netzwerke und Messenger bieten Möglichkeiten, Benutzerkonten zu blockieren und problematische Inhalte zu melden. Bei schweren Angriffen kann zusätzlich die Einschaltung des Plattformbetreibers sinnvoll sein.
Soziale Unterstützung suchen
Cybermobbing sollte möglichst nicht allein bewältigt werden. Vertrauenspersonen, Freunde, Eltern, Lehrer, Kollegen oder professionelle Beratungsstellen können helfen, die Situation einzuordnen und geeignete Schritte zu entwickeln.
Psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch nehmen
Wenn sich anhaltende Ängste, depressive Symptome, Schlafstörungen oder ein ausgeprägter sozialer Rückzug entwickeln, kann psychotherapeutische Unterstützung hilfreich sein. Dabei geht es unter anderem darum, das beschädigte Selbstwertgefühl zu stabilisieren, Sicherheit zurückzugewinnen und wieder Vertrauen in soziale Beziehungen zu entwickeln.
Rechtliche Möglichkeiten prüfen
Cybermobbing ist in Deutschland kein eigenständiger Straftatbestand. Einzelne Handlungen können jedoch beispielsweise als Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung, Bedrohung, Nötigung oder Nachstellung strafbar sein. Auch die unerlaubte Verbreitung bestimmter Bildaufnahmen kann strafrechtliche Konsequenzen haben. Darüber hinaus können unter bestimmten Voraussetzungen zivilrechtliche Ansprüche auf Unterlassung oder Löschung bestehen.
Wo finden Betroffene Hilfe?
In Deutschland gibt es verschiedene Beratungsangebote:
● Nummer gegen Kummer: 116 111 – kostenlose Beratung für Kinder und Jugendliche.
● JUUUPORT: www.juuuport.de – Online-Beratung für junge Menschen bei Cybermobbing und anderen Problemen im Internet.
● TelefonSeelsorge: 116 123 – kostenlose und anonyme Unterstützung bei seelischen Krisen, rund um die Uhr.
● Polizei: Bei ernsthaften Bedrohungen, Nachstellungen oder anderen möglichen Straftaten kann eine Anzeige sinnvoll sein.
Bei akuter Selbstgefährdung oder unmittelbarer Gefahr sollte umgehend Hilfe über den Notruf 112 gesucht werden.
Wie kann Psychotherapie helfen?
Cybermobbing kann das Vertrauen in andere Menschen und das eigene Selbstbild tief erschüttern. In einer Psychotherapie kann es deshalb zunächst wichtig sein, einen geschützten Raum zu schaffen, in dem die betroffene Person ihre Erfahrungen schildern kann, ohne erneut bewertet oder beschämt zu werden. Eine zentrale Aufgabe besteht darin, die Verantwortung für die Übergriffe klar einzuordnen. Menschen, die über längere Zeit gedemütigt werden, entwickeln manchmal die Überzeugung, selbst etwas mit ihrer Person sei grundsätzlich falsch. Solche Überzeugungen können sich tief im Selbstbild verankern.
Therapeutisch kann es hilfreich sein, diese übernommenen Abwertungen bewusst zu machen und schrittweise zu verändern. Daneben können Verfahren zur Stressregulation, zur Stabilisierung des Selbstwertgefühls und zur Bewältigung von Angst eingesetzt werden. Körperorientierte psychotherapeutische Methoden können dabei unterstützen, chronische Anspannung wahrzunehmen und zu regulieren. Bei traumatischen Belastungsreaktionen können traumatherapeutische Verfahren sinnvoll sein. Ein weiteres Ziel besteht häufig darin, soziale Sicherheit wiederherzustellen. Denn Cybermobbing verletzt nicht nur das Selbstwertgefühl. Es kann auch das grundlegende Vertrauen erschüttern, von anderen Menschen respektiert und akzeptiert zu werden.
Was können wir gesellschaftlich gegen Cybermobbing tun?
Cybermobbing ist nicht ausschließlich ein individuelles Problem. Es entsteht und verbreitet sich innerhalb sozialer Beziehungen und digitaler Gemeinschaften. Deshalb sind auch gesellschaftliche Maßnahmen wichtig. Kinder und Jugendliche sollten früh lernen, dass digitale Kommunikation reale psychische Auswirkungen hat. Schulen können durch Medienbildung, Konfliktprävention und klare Regeln gegen digitale Übergriffe dazu beitragen. Auch Erwachsene tragen Verantwortung, insbesondere dann, wenn sie selbst aggressive oder herabwürdigende Kommunikationsformen im Internet vorleben. Plattformbetreiber müssen problematische Inhalte wirksam bearbeiten und angemessene Schutzmöglichkeiten bereitstellen. Vor allem aber braucht es eine Kultur, in der Meinungsverschiedenheiten möglich sind, ohne dass Menschen persönlich entwürdigt werden.
Digitale Gewalt verursacht reale Verletzungen
Cybermobbing findet zwar im virtuellen Raum statt, seine Auswirkungen sind jedoch sehr real. Eine beleidigende Nachricht kann Scham hervorrufen. Eine öffentliche Demütigung kann das Selbstwertgefühl erschüttern. Wiederholte Bedrohungen können Angst erzeugen, die auch dann bestehen bleibt, wenn das Smartphone längst ausgeschaltet ist. Besonders schwer wiegt, dass Cybermobbing grundlegende menschliche Bedürfnisse nach Sicherheit, Zugehörigkeit, Anerkennung und Selbstbestimmung verletzen kann.
Aus psychologischer Sicht ist deshalb entscheidend, die Erfahrungen der Betroffenen ernst zu nehmen und ihnen Möglichkeiten zu eröffnen, Schutz, Selbstachtung und soziale Verbundenheit wiederzugewinnen.
Auch im digitalen Raum verdient jeder Mensch Respekt, Würde und Mitgefühl.
Werner Eberwein
