Was ist Augmentation?
Der Begriff Augmentation bedeutet wörtlich „Erweiterung“, „Vergrößerung“ oder „Verstärkung“. Er wird in verschiedenen Fachgebieten unterschiedlich verwendet:
- Allgemeinsprachlich: etwas wird ergänzt oder verstärkt, z. B. eine Fähigkeit, eine Wirkung oder ein Verfahren.
- Medizin/Psychiatrie:
- Hier meint Augmentation das Ergänzen einer Behandlung mit einem zusätzlichen Wirkstoff oder Verfahren, um die Wirksamkeit zu verstärken.
- Beispiel: Bei Depressionen, die nicht ausreichend auf ein Antidepressivum ansprechen, wird manchmal ein weiteres Medikament wie Lithium oder ein atypisches Neuroleptikum hinzugefügt (Lithium-Augmentation).
- Chirurgie/Zahnmedizin:
- Augmentation bezeichnet den Aufbau von Gewebe, etwa Knochenaufbau im Kiefer vor einer Implantation oder Haut- bzw. Gewebeauffüllungen.
- Musik:
- Hier bedeutet Augmentation die Vergrößerung der Notenwerte eines Themas oder Motivs (z. B. wird aus einer Viertelnote eine halbe Note).
- Technik/Informatik:
- Augmentation kann das Erweitern von Systemen meinen, z. B. „Augmented Reality“ = erweiterte Realität, bei der digitale Elemente in die Wahrnehmung eingeblendet werden.
Wenn eine Psychotherapie oder ein Antidepressivum allein nicht ausreichend wirkt, wird die Behandlung durch ein zusätzliches Verfahren oder Medikament ergänzt.
Typische Beispiele:
- Pharmakologische Augmentation:
- Ein Antidepressivum wirkt nicht genug → es wird durch Lithium, ein atypisches Antipsychotikum oder ein Schilddrüsenhormon ergänzt, um die Wirksamkeit zu steigern.
- Psychotherapeutische Augmentation:
- Psychotherapie kann durch Medikamente unterstützt werden, damit der Patient überhaupt therapiefähiger wird (z. B. weniger Antriebslosigkeit, mehr Konzentration).
- Somatische Verfahren:
- In schweren oder therapieresistenten Fällen kann auch eine Augmentation durch Verfahren wie rTMS(repetitive transkranielle Magnetstimulation) oder EKT (Elektrokrampftherapie) gemeint sein.
Wichtig:
In der Psychotherapie selbst spricht man normalerweise nicht von „Augmentation“, sondern eher von Kombinationsbehandlung oder multimodaler Therapie. Der Begriff wird meist von der Psychiatrie/Pharmakotherapie übernommen, wenn man über die Ergänzung einer Psychotherapie mit medikamentösen oder somatischen Verfahren spricht.
Werner Eberwein
