Ist Donald Trump ein Psychopath?
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Die Frage, ob Donald Trump ein Psychopath ist, wird seit Jahren in der Öffentlichkeit und unter Fachleuten kontrovers diskutiert. Sein politisches Auftreten, seine Kommunikation und sein Umgang mit Kritik haben zahlreiche psychologische Analysen ausgelöst. Manche Psychologen erkennen darin narzisstische oder psychopathische Persönlichkeitszüge. Andere warnen davor, aus öffentlichen Äußerungen und Verhaltensweisen auf eine psychische Störung zu schließen.
Was versteht man unter Psychopathie?
Psychopathie bezeichnet in der Persönlichkeitspsychologie eine bestimmte Kombination emotionaler, zwischenmenschlicher und verhaltensbezogener Eigenschaften. Dazu gehören insbesondere:
● Mangelnde emotionale Empathie: Schwierigkeiten, sich emotional in das Leid anderer Menschen einzufühlen.
● Grandiosität: Ein übersteigertes Gefühl der eigenen Bedeutung, Macht und Überlegenheit.
● Manipulatives Verhalten: Die Neigung, andere Menschen gezielt zu beeinflussen und für eigene Zwecke einzusetzen.
● Geringe Schuldgefühle: Wenig Reue oder Verantwortungsübernahme, wenn andere Menschen durch das eigene Verhalten geschädigt werden.
● Oberflächlicher Charme: Die Fähigkeit, gewinnend und überzeugend aufzutreten, ohne dabei unbedingt eine tiefere emotionale Beziehung aufzubauen.
● Impulsivität und Verantwortungslosigkeit: Schwierigkeiten, langfristige Konsequenzen des eigenen Handelns angemessen zu berücksichtigen.
Psychopathie ist keine eigenständige psychiatrische Diagnose in den internationalen Klassifikationssystemen DSM-5-TR und ICD-11. Sie überschneidet sich teilweise mit der antisozialen beziehungsweise dissozialen Persönlichkeitsproblematik, ist mit dieser aber nicht identisch.
Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie
In der Persönlichkeitspsychologie werden drei miteinander verwandte, aber unterschiedliche Merkmalsbereiche als sogenannte Dunkle Triade bezeichnet:
- Narzissmus beschreibt unter anderem ein übersteigertes Selbstwertgefühl, ein starkes Bedürfnis nach Anerkennung und Bewunderung sowie eine besondere Empfindlichkeit gegenüber Kritik und Kränkungen.
- Machiavellismus bezeichnet eine strategische, berechnende und manipulative Haltung, bei der andere Menschen vor allem als Mittel zur Verwirklichung eigener Ziele betrachtet werden.
- Psychopathie umfasst insbesondere emotionale Kälte, geringe Schuldgefühle, verminderte affektive Empathie und teilweise impulsives oder antisoziales Verhalten.
Wie beurteilen Psychologen Donald Trump?
Einige Psychologen und Psychiater haben Trumps öffentliches Verhalten als Ausdruck ausgeprägter narzisstischer oder antisozialer Persönlichkeitszüge interpretiert. Der Psychologe John Gartner beispielsweise verwendet in diesem Zusammenhang den Begriff des malignen Narzissmus. Damit wird eine besonders problematische Verbindung von narzisstischen, antisozialen, aggressiven und teilweise paranoiden Merkmalen beschrieben.
Der amerikanische Persönlichkeitspsychologe Dan McAdams untersuchte Trumps Biografie und öffentliches Auftreten. Er beschrieb unter anderem dessen starke Orientierung an Sieg, Dominanz und persönlichem Erfolg. Dabei betonte McAdams ausdrücklich, keine klinische Diagnose stellen zu wollen.
Der Psychiater Allen Frances, der an der Entwicklung psychiatrischer Diagnosekriterien beteiligt war, warnte ebenfalls davor, problematisches politisches Verhalten vorschnell als psychische Erkrankung einzuordnen. Ausgeprägte narzisstische Eigenschaften seien nicht automatisch Ausdruck einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung.
Einige Psychologen und Psychiater vertreten die Auffassung, dass das Verhalten politischer Führungspersonen wegen ihrer gesellschaftlichen Macht durchaus psychologisch analysiert werden sollte. Sie argumentieren, dass insbesondere problematische Muster im Umgang mit Macht, Verantwortung, Kritik und Aggression öffentlich diskutiert werden dürfen. Manche berufen sich sogar auf eine moralische Verpflichtung, die Öffentlichkeit vor möglichen Gefahren zu warnen. Andere Fachleute halten dagegen, dass psychiatrische Zuschreibungen ohne persönliche Untersuchung wissenschaftlich unsicher seien und die Gefahr politischer Instrumentalisierung bergen.
Kann Trumps Verhalten auch anders erklärt werden?
Trumps Unterstützer interpretieren seine öffentliche Kommunikation häufig anders als seine Kritiker. Was die einen als Rücksichtslosigkeit, mangelnde Selbstkontrolle oder übersteigertes Geltungsbedürfnis beschreiben, erscheint anderen als Entschlossenheit, Durchsetzungsfähigkeit oder bewusster Bruch mit politischen Konventionen. Dabei spielen auch seine langjährige Tätigkeit als Unternehmer, seine Erfahrungen als Fernsehunterhalter und seine politische Kommunikationsstrategie eine Rolle.
Fazit: Ist Donald Trump ein Psychopath?
Aus wissenschaftlicher Sicht lässt sich diese Frage nicht zuverlässig beantworten. Es gibt Psychologen und Psychiater, die in Trumps öffentlichem Auftreten Merkmale erkennen, die sie mit Narzissmus, Machiavellismus oder Psychopathie in Verbindung bringen. Andere Fachleute widersprechen solchen Einordnungen oder lehnen sie aus methodischen und berufsethischen Gründen ab. Für die gesellschaftliche Diskussion ist deshalb möglicherweise eine andere Frage wichtiger als die nach einer psychiatrischen Diagnose:
- Wie geht ein politischer Machthaber mit Kritik, Verantwortung, Wahrheit, demokratischen Regeln und den Bedürfnissen anderer Menschen um?
Diese Fragen lassen sich anhand konkreter Aussagen, Entscheidungen und Handlungen untersuchen – ganz unabhängig davon, ob eine psychische Störung vorliegt.
Werner Eberwein
