Ist Donald Trump ein Faschist, oder ein Diktator, oder was?

Warum nicht „Faschismus“?

Historisch-wissenschaftliche Kriterien (Paxton; Eco) meinen u. a.: Massenbewegung mit Kult um „Erlöser“-Führer, gewaltsame Ausschaltung der Opposition, systematische Aufhebung von Rechtsstaat, Presse-/Meinungsfreiheit und pluralistischen Wahlen, oft verbunden mit paramilitärischer Gewalt und totaler Machtergreifung. Diese Vollmerkmale sind in den USA (noch) nicht erfüllt:

Wahlen finden statt, Opposition existiert, Gerichte und Bundesstaaten setzen Schranken.

Aber: deutliche Warnzeichen (Auswahl)

  • Politisierung der Justiz/„Vergeltung“ gegen Gegner (Erosion der DOJ-Unabhängigkeit). Beispiel: strafrechtliches Vorgehen gegen einen prominenten Gegner (Comey) nach Austausch widerstrebender Ankläger – von Expert:innen als Normbruch gewertet.
  • Angriffe auf den öffentlichen Dienst/Schedule-F-Rückkehr: neue Mitarbeiterkategorie zur Umgehung von Schutzrechten und für breite Entlassungen in „politikgestaltenden“ Jobs – ein Schritt zur Machtkonzentration in der Exekutive.
  • Sicherheitsstaatliche Rhetorik gegen politische Gegner (Memorandum zu „linkem Terror“, Antifa-Stigmatisierung) – Risiko für Versammlungs-/Meinungsfreiheit.
  • Akademische und Think-Tank-Analysen sehen klare Parallelen zu illiberalen Regimen (Orbán etc.): Nutzung des „autokratischen Playbooks“ bei Medienangriffen, Loyalist:innen in Schlüsselpositionen, Schwächung von Checks & Balances.

Der aktuelle Befund (Stand 26. Sept. 2025)

  • Status „frei“ mit 84/100 Punkten bleibt bestehen (Anstieg ggü. 2024), was zeigt: die USA sind noch eine Demokratie mit robusten Rest-Institutionen.
  • Gleichzeitig dokumentieren zivilgesellschaftliche Jurist:innen und Forschung beschleunigte Erosionsversuche (Exekutivübergriff, Angriffe auf freie Rede/Protest).

Einordnungs-Formel (praktisch)

  • Kein voll ausgeprägter Faschismus.
  • Autoritärer Populismus mit faschistoiden Zügen in Rhetorik und einzelnen Maßnahmen.
  • Demokratische Rückschritte sind real, aber umkehrbar, solange Gerichte, Bundesstaaten, Medien und Wahlen funktionieren.

1. Klassische Merkmale des Faschismus (historisch bei Mussolini/Hitler)

  • Abschaffung der Demokratie und Errichtung einer Diktatur
  • Führerkult und totale Unterordnung unter eine Person
  • Militarismus und Gewaltverherrlichung
  • Massenmobilisierung mit paramilitärischen Organisationen
  • Rassistische Ideologie und systematische Verfolgung von Minderheiten
  • Expansionismus und aggressiver Imperialismus

2. Trumps Politik und Stil

  • Demokratische Institutionen: Trump hat die Verfassung nicht abgeschafft; Gerichte, Kongress und Wahlen blieben funktional, auch wenn er sie angegriffen hat.
  • Führungsstil: Stark personalisiert, mit Tendenz zur Selbstinszenierung und Loyalitätsforderungen.
  • Umgang mit Gewalt: Er tolerierte und relativierte Gewalt seiner Anhänger (z. B. beim Sturm auf das Kapitol 2021), ohne selbst offen eine paramilitärische Bewegung aufzubauen.
  • Ideologie: Nationalistisch („America First“), migrationsfeindlich, aber kein geschlossenes faschistisches Weltbild wie im 20. Jahrhundert.
  • Rassismus: Viele seiner Äußerungen und Politiken hatten rassistische Untertöne, aber es gab keine staatlich organisierte systematische Verfolgung.

3. Politikwissenschaftliche Einordnung

  • Viele Forschende nennen Trump rechtspopulistisch, illiberal oder autoritären Populisten, nicht faschistisch.
  • Einige Historiker (z. B. Timothy Snyder) sehen allerdings „präfaschistische“ Elemente, also Parallelen zu frühen Phasen des Faschismus.
  • Der überwiegende Konsens in der Politikwissenschaft: Trump ist kein Faschist im historischen Sinn, aber er zeigt autoritäre, antidemokratische Züge, die gefährlich für liberale Demokratien sein können.

Fazit:
Trump ist kein klassischer Faschist, wie man ihn aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kennt. Treffender ist es, ihn als rechtspopulistischen, autoritär orientierten Politiker zu beschreiben, der sich bestimmter Strategien und Rhetorik bedient, die an faschistische Traditionen erinnern.

Hier eine Übersicht, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede deutlich macht:

MerkmalHistorischer Faschismus (Mussolini, Hitler)Donald TrumpEinschätzung
StaatsformAbschaffung der Demokratie, Errichtung einer Einparteien-DiktaturDemokratie blieb formal bestehen, unabhängige Gerichte, Medien, WahlenUnterschied
Führerkult„Führer“ oder „Duce“ als unfehlbare LeitfigurStarke Selbstinszenierung, Loyalitätsforderungen, „Ich allein kann es lösen“gewisse Parallele
Umgang mit OppositionBrutale Unterdrückung, Verbote, Verhaftungen, GewaltVerbale Angriffe („Feinde des Volkes“), versuchte Delegitimierung, aber keine systematische AusschaltungUnterschied
MedienTotale Gleichschaltung, ZensurAngriffe auf kritische Presse („Fake News“), Versuch der Diskreditierung, aber keine ZensurUnterschied mit autoritären Zügen
Militär & GewaltParamilitärische Organisationen (SA, Schwarzhemden), Gewalt als Mittel der PolitikKeine eigenen Milizen, aber Duldung/Relativierung von Gewalt (z. B. Sturm auf Kapitol)gewisse Parallele, aber nicht institutionalisiert
IdeologieGeschlossene Ideologie: Nationalismus, Militarismus, Rassismus, AntisemitismusNationalpopulismus, „America First“, migrationsfeindlich, rassistische Rhetorik, aber keine kohärente faschistische IdeologieUnterschied
WirtschaftspolitikStaatsdirigismus, enge Verbindung von Staat und GroßunternehmenWirtschaftspolitik neoliberal und protektionistisch, weniger staatszentriertUnterschied
AußenpolitikExpansion, Imperialismus, KriegsvorbereitungIsolationismus, Rückzug aus internationalen Verträgen, HandelsprotektionismusUnterschied
MassenmobilisierungGroßveranstaltungen, Propaganda, paramilitärische MassenbewegungGroßrallies, intensive Social-Media-Nutzung, aber keine staatlich gelenkte Massenorganisationgewisse Parallele
Rassismus / VerfolgungSystematische Verfolgung und Vernichtung von MinderheitenDiskriminierende Rhetorik und Politik (z. B. Muslim-Ban), aber keine staatliche VernichtungspolitikUnterschied

Kurzfazit:
Trump teilt stilistische Elemente mit historischem Faschismus (Führerinszenierung, Feindbilder, Angriff auf Institutionen, Massenrhetorik). Er unterscheidet sich aber in den Strukturen und Zielen: keine Diktatur, keine totalitäre Ideologie, kein paramilitärischer Apparat, kein imperialistischer Krieg. Darum sprechen die meisten Fachleute eher von rechtspopulistischem oder autoritärem Populismus, nicht von Faschismus.

Manche Politikwissenschaftler beschreiben sein System daher als illiberale Demokratie oder hybride Form mit autoritären Tendenzen, aber nicht als voll ausgeprägte Diktatur.

Ist Donald Trump ein Diktator?

Derzeit (Stand 2025) sprechen die meisten Expert:innen und Beobachter:innen nichtdavon, dass die USA unter Donald Trump als klassische Diktatur gelten, aber viele warnen vor autoritären Tendenzen und demokratischem Abbau.

Was spricht dagegen, dass die USA eine Diktatur sind

Folgende Merkmale einer Diktatur fehlen (oder sind zumindest nicht klar erfüllt):

  1. Kein Ausschluss freier Wahlen
    Es gibt weiterhin Wahlen mit Wettbewerb zwischen Parteien.
  2. Formelle Gewaltenteilung bleibt bestehen
    Der Kongress, die Gerichte und Bundesstaaten haben eigene Machtbefugnisse und können gegen die Exekutive vorgehen.
  3. Opposition, Medien und Zivilgesellschaft sind nicht vollständig unterdrückt
    Kritische Medien existieren, Proteste finden statt (z. B. die „No Kings“-Proteste 2025 gegen Trump).
  4. Institutionelle Regeln bestehen weiterhin
    Präsidialverfassungsrecht, Gerichtsbarkeit, Checks and Balances sind formal intakt.

Wovor viele warnen — autoritäre Tendenzen und demokratischer Rückbau

Trotzdem mehren sich Hinweise und Warnungen, dass gewisse Entwicklungen problematisch sind:

  • Einige Analysen sprechen von „competitive authoritarianism“ — einem System, in dem Wahlen zwar stattfinden, aber der Amtsinhaber durch Machtmissbrauch und institutionelle Verzerrungen einen Wettbewerbsnachteil für Gegner erzeugt.
  • Trump und seine Anhänger haben wiederholt versucht, die Legitimität von Wahlprozessen und Gerichtsentscheidungen infrage zu stellen.
  • Es gibt Stimmen, die sagen, Trump strebe zur Ausweitung seiner Macht, etwa durch Entscheidungen vor dem Obersten Gerichtshof, die ihm mehr Kontrolle über Haushalt und Verwaltung verschaffen könnten.
  • Öffentliche Umfragen zeigen, dass ein großer Teil der Bevölkerung glaubt, Trump verhalte sich diktatorisch oder als Gefahr für die Demokratie.

Einschätzung: keine Diktatur, aber Risiko

Angesichts der Institutionen, der noch aktiven Opposition und der bestehenden Rechts- und Verfassungsmacht würde ich sagen:

  • Nein, die USA unter Trump sind nicht (im Jahr 2025) eine Diktatur im klassischen Sinne.
  • Aber: Es gibt klare autoritäre Tendenzen, und viele Expert:innen sehen die Demokratie in den USA als gefährdet.

Indikatoren für eine Diktatur – und wie sie 2025 unter Donald Trump in den USA zutreffen

Indikator einer DiktaturTypisches MerkmalLage in den USA 2025 unter TrumpEinschätzung
Machtkonzentration beim FührerEin Mann / eine kleine Clique kontrolliert alle MachtbereicheTrump versucht, mehr Kontrolle über Verwaltung, Justiz und Haushalt zu erlangen (z. B. Supreme-Court-Urteile, Loyalitätstests in Behörden). Dennoch bestehen föderale Strukturen.Teilweise erfüllt
Einschränkung freier WahlenKeine echte Opposition, Wahlbetrug oder WahlmanipulationWahlen finden weiter statt, Opposition (Demokraten, Unabhängige) kandidiert. Allerdings gibt es Versuche, Wahlgesetze zu verändern und Wahlprozesse zu delegitimieren.Teilweise erfüllt
Abschaffung oder Schwächung der GewaltenteilungParlament und Gerichte verlieren KontrolleGerichte (insbes. Supreme Court) sind konservativ geprägt, oft trumpnah. Der Kongress widersetzt sich teils, ist aber politisch blockiert.Teilweise erfüllt
Einschränkung der PressefreiheitZensur, Schließung kritischer MedienKeine formelle Zensur. Trump greift Medien verbal an („Feinde des Volkes“), fördert eigene Medienkanäle, aber unabhängige Presse arbeitet frei.Nicht erfüllt
Ausschaltung der OppositionParteien verboten, Gegner verhaftetDemokratische Partei existiert, Oppositionspolitiker sind aktiv. Drohungen und Einschüchterungen durch Rhetorik und Anhänger kommen vor, aber keine systematische Verfolgung.Nicht erfüllt
Einsatz von Gewalt zur MachtsicherungPolizei/Militär gegen Gegner, politische GewaltSturm aufs Kapitol 2021 als Warnsignal. 2025: Gewaltpotenzial bleibt hoch durch paramilitärische Gruppen, aber keine systematische staatliche Repression.Teilweise erfüllt
Ideologische GleichschaltungStaatsideologie, keine PluralitätKeine offizielle Staatsideologie. Aber starke Polarisierung, Kult um Trump in Teilen seiner Anhängerschaft.Teilweise erfüllt
Abhängigkeit der JustizGerichte nur ErfüllungsgehilfenSupreme Court teils stark trumpfreundlich, aber föderale Gerichte weiterhin relativ unabhängig.Teilweise erfüllt
Einschränkung bürgerlicher FreiheitenVersammlungsverbote, Unterdrückung von NGOs, Einschränkung von RechtenProteste („No Kings“-Bewegung 2025) finden statt, NGOs aktiv. Keine generellen Verbote, aber Repression auf lokaler Ebene möglich.Nicht erfüllt

Fazit

  • Klassische Diktatur? → Nein.
  • Autoritäre Tendenzen? → Ja, deutlich erkennbar.
  • Die USA 2025 unter Trump können am ehesten als Demokratie mit autoritären Zügen oder als illiberale Demokratie beschrieben werden.

Kurz: Die USA sind 2025 keine faschistische Diktatur, bleiben laut Freedom House weiterhin „frei“. Aber es gibt signifikante autoritäre Tendenzen und einzelne fascistoid anmutende Praktiken, die Politikwissenschaftler als demokratischen Rückbau („backsliding“) beschreiben.

Werner Eberwein