Antworten auf Interviewfragen von Jens Lubbadeh, Redakteur Wissen/Science Editor, Welt am Sonntag
Was kann therapeutische Hypnose? Für wen empfiehlt sich Hypnotherapie?
Eine therapeutische Hypnose macht Sinn, wenn auch anderen Methoden von Psychotherapie Sinn machen, d. h. bei allen psychischen Störungen mit Krankheitswert.
Was kann sie nicht?
Sie kann nicht zaubern.
Typische Indikationen sind? Weswegen kommen die meisten Patienten?
Depressionen, Ängste, Zwänge, Traumata, psychosomatische Störungen, Beziehungsstörungen, Süchte, Schlafstörungen, Strukturstörungen usw.
Ist jeder Mensch gleich empfänglich dafür? Wer lässt sich am besten hypnotisieren (Geschlecht, Alter)? Woran liegt das?
Die Studien sagen erstaunlicherweise: Männer und Frauen sind gleich hypnotisiertbar, jungen Menschen ein wenig stärker (aber nicht allzu viel stärker) als alte Menschen, vermutlich weil Fantasien bei Kindern eine größere Rolle spielen. Jeder Mensch ist hypnotisierbar, wenn es gelingt, ihn auf seine Art zu hypnotisieren, z.B. verbal, körperlich, direktiv, indirekt usw. Jeder Mensch kennt Trance! Jeder Mensch war in seinem Leben viele Male (in der Regel unbemerkt) in veränderten Bewusstseinszuständen. Die Fähigkeit, in Trance zu gehen, und andere Menschen in Trance zu führen, ist als latente Ressource in jedem Menschen vorhanden: Hypnose ist lehrbar und erlernbar.
Wie funktioniert Hypnose?
Eine Hypnose ist ein Trancezustand, mit dem Dämpfung des Wachbewusstseins und Aktivierung unbewusster Prozesse durch Suggestion d. h. z.B. Worte, Bilder, die Stimmlage usw.
Wie läuft eine typische Sitzung ab?
A) Klassische Hypnose: Im Prinzip suggeriert der Hypnotherapeut zuerst Entspannung, dann Vertiefung durch Schwere-, Wärme-, Stirnkühlesuggestion usw., dann gibt er die hypnotischen Suggestionen und dann suggeriert er, dass der Patient wieder aufwachen soll.
B) Ericksonianische Hypnose: Zusätzlich zur direktiven Suggestion gibt es Eriksonianischen Hypnotherapie eine große Vielfalt von indirekten Techniken z.B. Konfusionstechniken (der Patient wird in eine Konfusion geführt, was ihm die Annahme der folgenden Suggestionen erleichtert), Suggestion mit Metaphern und Geschichten (z.B. der Hypnotherapeut suggeriert, dass der Patient fliegt oder taucht), Polaritätsspiele (z.B. „der linke Arm ist entspannt und der rechte Arm ist leicht oder der rechte Arm ist entspannt und der linke Arm ist leicht“) usw.
Hypnotiseur ist ein nicht geschützter Beruf. Gibt es viele Scharlatane? Wie erkennt man einen seriösen Hypnotiseur?
Es gibt in der Tat viele Scharlatane insbesondere Showhypnotiseure. Am besten erkennt man seriöse Hypnotherapeuten, indem man sie oder der ihn fragt, ob sie oder er in den drei größten Hypnoseverbänden ist: der Deutsche Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie, der Milton-Erickson-Gesellschaft und der Deutsche Gesellschaft für Zahnärztliche Hypnose.
Nutzen Showhypnotiseure die gleichen Techniken wie seriösen Hypnotherapeuten?
Seriöse Hypnotherapeuten benutzen stark Ericksonianische Techniken, Showhypnotiseur benutzten sehr viel mehr direktive Hypnose.
Was kostet eine Sitzung? Wann zahlt die GKV?
Zwischen ca. 80 und 120 € pro 50 Minuten. Die GKV bezahlt nicht (außer „verhaltenstherapeutische Hypnose als Entspannungsverfahren“, aber nicht therapeutische Hypnose).
Werner Eberwein