Was ist eine Sepsis?

Eine Sepsis ist eine lebensbedrohliche Komplikation einer Infektion, bei der die Immunreaktion des Körpers fehlgesteuert verläuft und zu Schäden an Organen und Geweben führen kann.

Eine Sepsis stellt einen medizinischen Notfall dar und erfordert eine sofortige Behandlung. Bei Verdacht sollte unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden (Notruf 112). Ein früher Therapiebeginn verbessert die Überlebenschancen erheblich.

Definition

Eine Sepsis, umgangssprachlich häufig als „Blutvergiftung“ bezeichnet, ist eine lebensbedrohliche Organdysfunktion infolge einer fehlregulierten Reaktion des Körpers auf eine Infektion. Die Erkrankung kann sich innerhalb kurzer Zeit verschlechtern und unbehandelt zu Organversagen führen.

Betroffene Organe und Strukturen

Bei einer Sepsis kann die Entzündungsreaktion den gesamten Organismus betreffen. Besonders häufig sind lebenswichtige Organe wie:

  • Lunge
  • Herz-Kreislauf-System
  • Nieren
  • Leber
  • Gehirn

Durch Störungen der Durchblutung und Entzündungsprozesse kann die Organfunktion eingeschränkt werden.

Symptome

Mögliche Anzeichen einer Sepsis sind:

  • Fieber oder Untertemperatur
  • Schüttelfrost
  • Erhöhter Herzschlag
  • Beschleunigte Atmung oder Atemnot
  • Verwirrtheit oder Bewusstseinsveränderungen
  • Ausgeprägte Schwäche und starkes Krankheitsgefühl
  • Niedriger Blutdruck
  • Kalte, feuchte oder fleckige Haut

Ursachen

Eine Sepsis entsteht als Folge einer Infektion. Häufige Auslöser sind:

  • Lungenentzündung
  • Harnwegsinfektionen
  • Infektionen im Bauchraum
  • Wundinfektionen
  • Bakterielle Infektionen, seltener Virus-, Pilz- oder Parasiteninfektionen

Entscheidend für die Entstehung einer Sepsis ist nicht allein das Vorhandensein von Krankheitserregern, sondern die überschießende Reaktion des Immunsystems auf die Infektion.

Entstehung

Ausgangspunkt ist meist eine lokal begrenzte Infektion. Breitet sich die Entzündungsreaktion auf den gesamten Körper aus, werden zahlreiche Entzündungsmediatoren freigesetzt. Dies kann zu einer Erweiterung und erhöhten Durchlässigkeit der Blutgefäße führen. In der Folge können Blutdruckabfall, Durchblutungsstörungen und eine unzureichende Sauerstoffversorgung der Organe auftreten.

Risikogruppen

Grundsätzlich kann jede Person eine Sepsis entwickeln. Ein erhöhtes Risiko besteht insbesondere bei:

  • Menschen über 65 Jahren
  • Säuglingen und Kleinkindern
  • Personen mit geschwächtem Immunsystem
  • Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Krebs-, Leber- oder Nierenerkrankungen

Diagnostik

Bei Verdacht auf eine Sepsis erfolgt eine umgehende medizinische Abklärung. Dazu gehören unter anderem:

  • Körperliche Untersuchung
  • Blutuntersuchungen
  • Blutkulturen zum Erregernachweis
  • Überprüfung der Organfunktionen
  • Bildgebende Verfahren zur Suche nach dem Infektionsherd

Zur Einschätzung der Organdysfunktion werden in der klinischen Praxis unter anderem der SOFA-Score (Sequential Organ Failure Assessment) und der qSOFA-Score verwendet.

Therapie

Die Behandlung erfolgt in der Regel stationär, häufig auf einer Intensivstation. Wichtige Maßnahmen sind:

  • Frühzeitige Gabe geeigneter Antibiotika bei bakteriellen Infektionen
  • Flüssigkeitszufuhr über Infusionen
  • Stabilisierung von Kreislauf und Atmung
  • Behandlung oder Beseitigung des Infektionsherdes
  • Unterstützung beeinträchtigter Organfunktionen
  • Bei Bedarf Einsatz von Vasopressoren, Beatmung oder Nierenersatzverfahren

Ein rascher Therapiebeginn ist entscheidend für den Behandlungserfolg.

Septischer Schock

Von einem septischen Schock spricht man, wenn trotz ausreichender Flüssigkeitsgabe ein anhaltender Kreislaufversagenzustand besteht und kreislaufstützende Medikamente erforderlich werden. Diese Form der Sepsis ist mit einer besonders hohen Sterblichkeit verbunden.

Prognose

Die Prognose hängt unter anderem vom Schweregrad der Erkrankung, dem Alter der betroffenen Person, bestehenden Vorerkrankungen und dem Zeitpunkt des Therapiebeginns ab. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung verbessern die Überlebenschancen deutlich.

Bedeutung für die medizinische Versorgung

Sepsis zählt weltweit zu den häufigsten Ursachen schwerer Erkrankungen und Todesfälle im Zusammenhang mit Infektionen. Sie erfordert eine schnelle Diagnostik und sofortige Behandlung, um Komplikationen und Organversagen möglichst zu verhindern. Bei Verdacht auf eine Sepsis sollte unverzüglich medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.

Werner Eberwein