Was ist Deep Play?
„Deep Play“ bezeichnet eine Form des Spiels oder sozialen Handelns, bei der der Einsatz als außergewöhnlich hoch wahrgenommen wird und sich nicht allein durch rationalen Nutzen erklären lässt.
Der Begriff wurde ursprünglich von Jeremy Bentham im Zusammenhang mit Glücksspiel verwendet. Bentham beschrieb damit Situationen, in denen mögliche Verluste in keinem angemessenen Verhältnis zum potenziellen Gewinn stehen.
Bekannt wurde der Begriff insbesondere durch den Anthropologen Clifford Geertz und dessen Essay Deep Play: Notes on the Balinese Cockfight. Geertz analysiert darin den balinesischen Hahnenkampf als kulturelle Praxis, deren Bedeutung über den materiellen Einsatz hinausgeht. Im Zentrum stehen soziale Aspekte wie Status, Ehre, Zugehörigkeit und symbolische Konkurrenz. Der Hahnenkampf dient dabei als Ausdruck gesellschaftlicher Beziehungen und Hierarchien.
Im Rahmen von Geertz’ interpretativer Anthropologie wird „Deep Play“ als kulturelles Handlungssystem verstanden, das gesellschaftliche Werte und Spannungen sichtbar macht. In diesem Zusammenhang entwickelte Geertz auch das Konzept der „dichten Beschreibung“ („thick description“), das die Interpretation kultureller Bedeutungen in den Mittelpunkt stellt.
Darüber hinaus wird der Begriff in psychologischen und pädagogischen Zusammenhängen verwendet. Dort beschreibt „Deep Play“ intensive und stark vertiefte Spielerfahrungen, bei denen Personen emotional, körperlich oder sozial stark involviert sind. Häufig wird dies mit dem von Mihaly Csikszentmihalyi entwickelten Flow-Konzept in Verbindung gebracht, das einen Zustand vollständiger Konzentration und Absorption in eine Tätigkeit beschreibt.
Werner Eberwein
